DIE SPINNENKRAFT

 

 

Die Spinne ist eine hervorragende Weberin, die in ihrer Kunstfertigkeit ein feines und komplexeres Netz in Spiralen- und Strahlenförmigkeit fertigt. Die geometrische Form steht für eine kreative Entwicklung und verbindet die Vergangenheit mit der Zukunft. In Indien ist das Netz ein Symbol für die kosmische Ordnung und deren Struktur deutet sie als göttliche Geistesstrahlen. Die Spinne webt mit dem Lebensfaden das Schicksalsnetz, in dem Lebensentwürfe hinein gewoben werden. Das Netz, dass gleichzeitig das Lebensrad symbolisiert, ist ausbaubar und immer wieder neuer Schöpfungsenergie ausgesetzt und durch jeden selbst kreativ gestaltbar.

Genau dafür waren wir alle in Mallorca zusammengekommen. Jeder wollte Gestalter seines Lebensfadens sein und Mitgestalter seines Schicksals und so die Fäden der Vergangenheit mit der Zukunft neu verknüpfen.

Das ist für mich das große Netz, dass wir gemeinsam für die Zeit in Mallorca spannen, um uns mit unseren Lebensthemen mit denen wir gekommen waren zu verbinden. Ein Netz zu schaffen, dass uns nicht nur verband, sondern um schützte und bei Abstürzen auffing, wie ich es erleben durfte.

So weiht uns die Spinne in die Webkunst ein und steht uns als großer Lehrer zur Seite. Sie zeigt uns wann Fäden zu weben, auszubessern oder gar zu zerschneiden gilt. Wir können lernen ein neues Netz zu bauen oder uns verbinden. Der neu entstandene Faden, der klebrig ist, wird zur rechten Zeit in den Wind geschickt, dass er zum richtigen Platz geweht wird. Dort bleibt er kleben und bildet so eine Brücke. Das tut sie so lange bis sie mit ihren Brücken dir richtige Verbindung eingegangen ist und sie ihr sicheres Netz vollständig entstehen lassen kann. So können wir unserer Bestimmung folgen, die einen Entwicklungsprozess gleicht. 

Auch wenn wir uns in einem anderen Netz verfangen haben, steht uns die Spinne mit Rat zur Seite, hilft uns von Täuschungen und Illusionen zu befreien. Dann gilt es den Mut und die Bereitschaft aufzubringen, die Vergangenheit loszulassen und sich dem Neuen im Hier und Jetzt zu stellen, um in eine angenehmere Zukunft zu gelangen. Dabei erweist sie sich als sanfte feinfühlige Kraft, die zu Unrecht mit Angst und Schrecken in Verbindung gebracht wird. Selbst die Kreuzspinne wird wegen ihrer Rückenzeichnung als gesegnetes Wesen und Glückssymbol angesehen.

Ein großes Thema das uns die Spinne lehren möchte, ist die Balance zwischen dem Männlichen und dem Weiblichen. Mehrmals durften wir erleben, wie an der Herstellung eines guten Gleichgewichtes dieser beiden Seiten gerungen wurde. Die Größe der Erfolge werden sich am Alltag unter Beweis stellen. Bei einigen war es erst der Anfang um ein Ringen der richtigen Position. Bei anderen hat sich dort schon etwas gelöst und ist in Befreiung gegangen. Für Dritte kann es ein Anstupser gewesen sein.

Die Spinne weist darüber hinaus auf ein Gleichgewicht zwischen Physischen und Spirituellen hin.  

Die Spinne selbst ist von ihrer Körperform ein spirituelles Wesen mit heiligen Zeichen, dass nicht nur ein Netz entstehen lässt. Ihr Körper formt sich in einer acht und präsentiert damit die Unendlichkeit. Das Leben wird in einem unendlichen Kreislauf gewebt, dass in seiner kreativen Sensibilität auf immer höheren Ebenen neu geschöpft wird. Wenn sie sich am Faden abseilt, besagt der Volksglaube, ist vom Himmel herabkommende Freude zu erwarten. Die Spinne ist sehr beweglich und kann ohne Schwierigkeiten auf dem feinen Faden balancieren. Deshalb kann sie uns in das Geheimnis einweihen, auf das Netz des Lebens fortzuschreiten und dabei die Balance zu wahren. 

Im Spinnennetz sind viele geometrische Zeichen und das Alphabet eingewoben. Deshalb wird sie die Hüterin der alten Sprachen und Alphabete genannt und als Lehrerin von Sprache und Schrift betrachtet. Sie verbindet sich mit Menschen, die mit ihren aufgeschriebenen Worten Magie in das Papier weben. 

Danke Großmutter Spinne für deine Unterstützung all die Seiten mit so viel Zauberei zu füllen. Ich verneige mich tief vor deiner magischen Kraft der Schreiberei, die ich sehr verehre.

 

 

Bild und Text: © Inga Dorit Fischer